Letzte Aktualisierung am 23.04.2020

 

Wie viele sind wir heute? Dreizehn? Dann spielen wir 6 gegen 6 mit einem Neutralen". Mathematisch ist diese Lösung einwandfrei, trainingsmethodisch hingegen nicht unbedingt. Spielsituationen sind auch immer Lernsituationen. Wie häufig es zu einer beabsichtigten Lernsituation kommt, hängt in erster Linie von der Auswahl der Spielform ab. Wie schwierig eine Lernsituation ist und wie oft sie jede/r Trainierende durchläuft, ist hingegen hauptsächlich über die Teamgrößen regulierbar. Daher sind passende Spielformen mit unpassenden Teamgrößen auch eher unwirksam. Aus lerntheoretischer Sicht sind bei der Auswahl von Teamgrößen folgende Kriterien besonders bedeutsam: 

 

Individuelle Spielanteile

Mit der Teamgröße verändern sich auch die individuellen Spielanteile mit und ohne Ball. Es handelt sich also um die individuelle Wiederholungszahl technisch-taktischer oder taktischer Lernsituationen innerhalb einer Spielform. 

 

Individuelle Zweikampfhäufigkeit

Sie beschreibt, wie häufig Trainierende innerhalb einer Spielform in offensive oder defensive Zweikampfsituationen kommen. Je kleiner die Teams, desto höher ist die individuelle Zweikampfhäufigkeit.

 

Situationskomplexität

Die Situationskomplexität wächst mit zunehmender Teamgröße und kann als Schwierigkeitsgrad für Lernsituationen gesehen werden. Dadurch ist sie das zentrale Belastungsmerkmal im gezielten langfristigen Aufbau der situativen Spielwahrnehmung, des Spielverständnis und der technisch-taktischen Entscheidungsfähigkeit.

 

Präzisionsdruck

Bleibt die Größe der Spielfläche unverändert, erhöht sich mit zunehmender Teamgröße auch der Anspruch an die Bewegungspräzision. Die Abstände zu und zwischen Gegenspielern werden enger, wodurch mit und ohne Ball präzisere Bewegungen notwendig sind.

 

 

Der mögliche Trainingseffekt einer Spielform hängt folglich stark davon ab, ob sie in passenden Teamgrößen gespielt wird. Passend bedeutet, jede/r Trainierende kommt in jeder Spielminute mehrfach in die beabsichtige Lernsituation. Wer einen technischen Schwerpunkt setzt, sollte deshalb generell höchstens ein 5 gegen 5 planen, da die individuellen Spielanteile mit Ball sonst zu gering ausfallen. Zudem gilt es, den richtigen Schwierigkeitsgrad zu wählen. Hierzu folgender Grundgedanke: Wer schon im 2 gegen 2 schlechte Entscheidungen trifft, braucht keine Lernsituationen im 7 gegen 7 zu durchlaufen. 

 

Für die Praxis empfehlen wir einen spielorientierten Ansatz. Dieser ist nicht nur besonders wirksam, er hilft Euch auch beim Umgang mit schwankenden Spielerzahlen. Der Hauptteil besteht aus ein bis zwei Spielformen, die zu Eurem aktuellen Trainingsschwerpunkt passen. Wer so agiert, kann mit dieser einfachen Haupt- und Nebenplanung arbeiten.

 

Hauptplanung

In welchen Teamgrößen möchte ich die heutigen Spielformen mindestens und maximal spielen lassen, damit alle Trainierenden möglichst oft in die gewünschte Lernsituation kommen?

 

Nebenplanung

Wie reagiere ich auf eine größere Teilnehmerzahl?

 

Organisation eines zweiten Feldes

(a) Spielform ein zweites Mal aufbauen

 

Organisation mit ein bis vier Pausierenden, die ständig gewechselt werden 

(b) Pausierende absolvieren Übung zum Schwerpunkt

(c) Pausierende absolvieren aktive Erholung z. B. jonglieren

(d) Pausierende agieren als Ballkinder

 

 

Für die weitere Vertiefung empfehlen wir den unten stehenden Literaturhinweis. In unserem Trainercoaching sowie auf unseren vereinsinternen Fachabenden sprechen wir gern mit Euch darüber, wie einfach sich effektive Lernsituationen in Spielformen erzeugen und regulieren lassen.

Titel und Autoren vertiefender Lektüre

Wettkampfsystem 4.0 - Der Spielbetrieb als Motor der Talententwicklung

Prof. Dr. Dr. Matthias Lochmann

Bund Deutscher Fußball-Lehrer, 2018, Internationaler Trainerkongress

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