Letzte Aktualisierung am 23.04.2020

Menschen, die an 'situativer Spielblindheit' leiden, sind keine Seltenheit. Keine Sorge, hierbei handelt es sich um keine Krankheit, sondern lediglich um eine Wortschöpfung aus der Trainingspraxis. Die situative Spielblindheit tritt dann auf, wenn Spieler_innen ideale Lösungsmöglichkeiten übersehen, weil sie sich zuvor nicht bewusst umgesehen haben. Das beste Mittel gegen situative Spielblindheit ist deshalb die Kopfbewegung. Mit Kopfbewegungen steuern wir die grobe Ausrichtung unseres Blicks. Damit steuern wir also auch, woher wir Informationen aufnehmen. Wer in einer Spielsituation nur in eine Richtung sieht, ist deshalb für alle anderen Spielrichtungen blind. Dass dem so ist, lässt sich auch messen.

 

In einer Untersuchung (1) wurde die Häufigkeit der Kopfbewegungen in den 10 Sekunden vor der Ballaktion gemessen. Spieler, die sich häufig umblickten, zeigten wesentlich offensivere Anschlussaktionen:

 

  • sie drehten häufiger in Richtung Tor auf

  • sie spielten häufiger einen Vorwärtspass

  • sie spielten den Ball häufiger entgegen der Passrichtung

 

Interessant ist zudem der Vergleich der mit den Aktionen der Spieler, die sich weniger umblickten. Sie wählten häufiger das Direktspiel zum Passgeber zurück. Auch wenn es in einigen Situationen eine sinnvolle Lösung sein kann, so deutet ein übermäßiges klatschen lassen auf ein mangelhaftes Umblickverhalten hin.  

 

Der Erfolg einer Spielhandlung entscheidet sich also bereits weit vor der eigentlichen Ballaktion. Da Fußball größtenteils ohne Ball gespielt wird, sollten Spieler_innen in diesem Bereich umfassend geschult werden. Konkret geht es darum, Positionen von Gegenspielern, Mitspielern und freie Wege zwischen ihnen zu erkennen und basierend darauf passende Entscheidungen zu treffen. Um ein Lösungsbewusstsein zu entwickeln, benötigt es (entweder) Automatismen und (oder) eine aufmerksame visuelle Wahrnehmung der Spielsituationen ohne Ball. Automatismen können hingegen gerade dazu führen, dass Spieler_innen sich weniger umsehen, da sie ihre Lösungsfindung auf erlernte Automatismen reduzieren. .

Praxiseinblicke

Ball-Praxis-Mannschaftstraining

                           

Kontaktzwangspiel

                            

 

Im Kontaktzwangspiel ergeben sich Kontaktvorgaben aus dem Zusammenspiel. I1I Das Spiel wird nach Tor, Ausball und Regelverstoß per Abstoß fortgesetzt. Die äußeren Zonen dienen als Strafräume und dürfen vom Gegner erst nach dem Abstoß betreten werden. I2I Der Empfänger des Abstoßes hat freie Kontaktzahl. I2I Immer wenn ein Passgeber mehrere Kontakte benötigt, ist sein Passempfänger I3I zum Direktspiel gezwungen. Spielt ein Passgeber hingegen einen Direktpass I3I, hat der Passempfänger I4I eine freie Kontaktzahl. Balleroberer haben ebenfalls immer eine freie Kontaktzahl. 

 

Die Spielregeln forcieren die Notwendigkeit der aktiven und bewussten Wahrnehmung von Spielsituationen in alle Richtung. So lassen sich grundlgende Verhaltensweisen der Vororientierung sehr gut trainieren.

 

                          

Spiel mit Passvorgabe

                           

 

I1I Das Spiel wird nach Tor, Ausball und Regelverstoß mit einem Abstoß fortgesetzt. 

I2I Bei eigenem Ballbesitz ist dem Passempfänger das Anspiel seines Passgebers verboten. 

I3I Der Passemfpänger darf demnach nur einen der anderen Mitspieler anspielen.

 

Variante: Das Anspiel zum Passgeber ist erlaubt, wenn es in eine andere Zone erfolgt. Der Passgeber muss sich also nach seinem Abspiel in eine andere Zone bewegen, um für seinen Passempfänger anspielbar zu sein.

Titel und Autoren vertiefender Lektüre

Wettkampfsystem 4.0 - Der Spielbetrieb als Motor der Talententwicklung

Prof. Dr. Dr. Matthias Lochmann

Bund Deutscher Fußball-Lehrer, 2018, Internationaler Trainerkongress

Druckversion Druckversion | Sitemap
© www.Ball-Praxis.de I Impressum: www.ball-praxis.de/impressum/