Letzte Aktualisierung am 17.01.2020

 

In den Spielsportarten hat die Beidseitigkeit einen hohen individualtaktischen Stellenwert. Wer beidseitig agieren kann, ist vielseitig einsetzbar und verfügt über eine theoretische Lösungsvielfalt, die nur schwierig zu verteidigen ist. Dennoch ist die Beidseitigkeit in den Spielsportarten unterschiedlich stark ausgeprägt. Basketballspieler halten z. B. den Abstand zwischen Ball und Gegenspieler groß, indem sie situativ die Hand wechseln. Auf diese Weise verringern sie das Ballverlustrisiko bei der Ballführung. Fußballspieler führen den Ball hingegen übermäßig oft mit ihrem dominanten Spielbein(1), obwohl sie damit teils ein erhöhtes Ballverlustrisiko eingehen. Ist Beidfüßigkeit ein unangemessener Anspruch oder wirksam trainierbar?

 

In einer Untersuchung(2) wurde nachgewiesen, dass ein regelmäßiges Training des weniger trainierten Fußes, dessen Anwendungshäufigkeit im Spiel steigern kann. Nachdem die Beidfüßigkeit nicht mehr gezielt trainiert wurde, nahm die Anwendungshäufigkeit des weniger trainierten Beines jedoch wieder ab. Dieser Rückgang lässt sich u.a. auf der mentalen Ebene der Beidfüßigkeit erklären. Im Kern ist dafür eine ungleich entwickelte Selbstwirksamkeitserwartung beim Einsatz der Spielbeine ausschlaggebend. Der Einsatz des dominanten Beines ist mit einer hohen Selbstwirksamkeitserwartung verbunden. Es wird deshalb auch bevorzugt genutzt. Die Selbstwirksamkeitserwartung mit dem weniger trainierten Bein ist hingegen generell geringer ausgeprägt, weshalb es seltener genutzt wird.

 

Der Weg zur Beidfüßigkeit führt demnach über die Entwicklung der Selbstwirksamkeitserwartung des weniger trainierten Spielbeins. Isolierte Technikübungen helfen dabei nur grundlegend, aber nicht nachhaltig. Sie bilden höchstens ein ergänzendes Trainingselement. Die Basis bilden Trainingsformen, die Beidfüßigkeit unter Gegnerdruck einfordern. Ihr Einsatz ergibt dann Sinn, wenn das Umgehen des weniger trainierten Beines wiederholt zu taktischem Fehlverhalten führt. Die Fehlerquote wird dabei anfangs sehr hoch sein. Mit etwas Geduld werden die Trainierenden jedoch Erfolgserlebnisse sammeln, die zur nachhaltigen Entwicklung der Selbstwirksamkeitserwartung beitragen.

 

Das sind unsere Empfehlungen zur Entwicklung der Beidfüßigkeit im Fußball:

 

  1. Verzichte im Nachwuchsfußball auf verfrühte Seitigkeitsspezialisierungen durch fest vergebene Positionen. 

  2. Beidfüßigkeit ist kein gesonderter Trainingsschwerpunkt. Integriere ihr Training permanent in den individualtaktischen Kontext Deiner Trainingsschwerpunkte.

  3. Wird das weniger trainierte Spielbein ständig umgangen, können spezielle Übungs- und Spielformen bei der Angleichung der Selbstwirksamkeitserwartung helfen. Nutze dabei vor allem Trainingsformen mit Gegnerdruck, die Du durch kurzzeitige Phasen des isolierten Technikübens ergänzt.

 

In unseren Praxiseinblicken zeigen wir Euch mögliche Ansätze für Spielformen, die den Einsatz des weniger trainierten Beines unter Gegnerdruck einfordern.

 

Praxiseinblicke

Ball-Praxis-Mannschaftstraining

                           

Spielformen mit Fußzwang

                            

 

Spielformen mit Fußzwang sind hilfreich, falls Spieler das Spiel mit dem weniger trainierten Bein permanent meiden. Die Regeln des Fußzwangs lassen sich auf beinahe jede Trainingsform übertragen, sodass sie auch spontan anwendbar sind. Hier einige Ideen dazu:

 

I1I Direktspielverbot I mind. einmal links pro Ballbesitz I

I2I Eigene Hälfte I frei I andere Hälfte I linker Fuß I

I3I Erster Kontakt I frei I danach I linker Fuß I

I4I Erster Kontakt I frei I danach I anderer Fuß I

I5I Roter Ball I frei I weißer Ball I linker Fuß I

 

Der Fußzwang gilt nur für das Team in Ballbesitz oder für einzelne Spielerinnen/Spieler. Für Abwehrhandlungen und den Balleroberer gilt kein Fußzwang.

 

Weitere Provokationsregeln und Coachingdetails, besprechen wir mit Euch in unserem Trainercoaching.

 

⌈ Mehr zum Trainercoaching ⌋ 

 

 

                          

Torwechselspiel

                           

 

Vorn, hinten, links und rechts. Im Torwechselspiel haben diese Begriffe keine große Bedeutung, weil sich das Spiel ständig dreht. Deshalb eignet sich die Spielform auch sehr gut zur Entwicklung der Beidfüßigkeit.

 

Das Spiel wird nach jedem Tor und Ausball mit einem Ersatzball fortgesetzt. Die Ersatzbälle liegen zwischen den Toren. Das Team in Ballbesitz entscheidet, von welcher Seite es den nächsten Ball nimmt. Es spielt anschließend auf die entfernteren Tore. Somit kann sich die Spielrichtung ständig ändern. Tore dürfen nur aus dem jeweils letzten Spielfelddrittel erzielt werden.

 

Einfache Trainingsformen, die derartige Spielformen ergänzen, demonstrieren wir auf unseren vereinsinternen Fachabenden.

 

⌈ Mehr zum Ball-Praxis Fachabend ⌋ 

 

 

(1) Titel und Autoren der Untersuchung

Laterality Effects on Performance in Team Sports: Insights From Soccer and Basketball

T. Stöckel & D. Cartey

August 2016

(2) Titel und Autoren der Untersuchung

Effects of technical training in functional asymmetry of lower limbs in young soccer players

J. Guilherme, J. Garganta, A. Graca & A. Seabra

Brazilian Journal of Kinanthropometry and Human Performance, Vol 17, No 2, 2015

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