Letzte Aktualisierung am 08.03.2020

 

Das positionsspezifische Training bildet den finalen Abschnitt im langfristigen Leistungsaufbau des Fußballs. Durch das Positionstraining erhalten Spielerinnen und Spieler die Möglichkeit, positionsspezifische Aufgaben zu verinnerlichen und ihre Erfüllung zu trainieren. Darüber hinaus ergibt sich die Notwendigkeit des Positionstrainings u. a. aus den unterschiedlichen läuferischen(1)(2), technisch-taktischen(2)(3) und perzeptiven Anforderungen(4), die jede Spielposition stellt. Sie sind zugleich das Hauptargument gegen eine Frühspezialisierung von Kindern- und Jugendlichen, die sonst ungleiche und einseitige Entwicklungsmöglichkeiten erhielten. Idealerweise beginnt das Positionstraining deshalb erst im Übergangsbereich vom Jugend- in den Erwachsenenfußball und wird im Nachwuchstraining durch eine gezielte Vielseitigkeitsschulung vorbereitet.

 

Laufanforderungen

Jede Spielposition stellt andere läuferische Anforderungen. Das äußert sich in unterschiedlichen Laufdistanzen pro Spielminute, die sich zudem auf unterschiedliche Laufgeschwindigkeiten verteilen.

 

Technisch-taktische Anforderungen

Die Anwendungshäufigkeit von Spieltechniken und Spielhandlungen ist positionsabhängig. Außerdem sind vor allem die Ausführungsbedingungen positionsspezifisch geprägt. Sie unterscheiden sich hinsichtlich der Grundsituation, Situationsvariabilität und Situationskomplexität. Dadurch entstehen für jede Spielposition eigene Anforderungen an die technisch-taktische Anpassungsfähigkeit.

 

Visuelle Wahrnehmungsanforderungen

Die offensive und defensive Vororientierung erfolgt beispielsweise auf jeder Position in unterschiedliche Richtungen, nach anderen Merkmalen und aus verschiedenen körperlichen Grundausrichtungen heraus. So ergeben sich für jede Spielposition eigene Anforderungsprofile der visuellen Wahrnehmung von Spielsituationen.

 

 

Allein auf Basis dieser drei Faktoren lassen sich für jede Spielposition Anforderungsprofile formulieren, die der eigenen Spielidee entsprechen. Trainingsformen können an diese positionsspezifischen Anforderungsprofile angepasst werden, um Spielerinnen und Spieler optimal vorzubereiten bzw. weiterzuentwickeln. Das gilt auch für kleine Spielformen. Sie sind für ein Positionstraining sehr gut geeignet, da sie das gleichzeitige Training mehrerer Leistungsfaktoren ermöglichen. Das Positionstraining in kleinen Spielformen ist insbesondere für den Amateurbereich interessant, da weniger Trainingszeit zur Verfügung steht und selten mit der kompletten Mannschaft trainiert werden kann. 

 

Die Anpassung kleiner Spielformen an positionsspezifische Anforderungsprofile erfolgt vor allem durch die Veränderung von Feldformen, Feldlängen, Feldbreiten, Grundformationen und Regeln. Positionsspezifische Anforderungen technisch-taktischer und perzeptiver Art sind daher sehr einfach herstellbar. Anpassungen der positionsspezifischen Laufleistung sind ohne technische Hilfsmittel hingegen nur schwer realisierbar. Allerdings helfen schon einfache Trackingsysteme dabei, Spielformen so anzupassen, dass sie annähernd positionsspezifische Laufleistungen abverlangen. In unseren Praxiseinblicken findet Ihr Ideen für die positionsspezifische Gestaltung von kleinen Spielformen. Zudem weisen wir auf unser Ball-Praxis-Individualtraining hin, das wir an die Anforderungen Eurer Spielposition anpassen.

 

Praxiseinblicke

Ball-Praxis-Mannschaftstraining

                           

Ballbesitzspielform

                            

 

Die schwarzen Positionen sind mit Torhütern (TW) oder Innenverteidigern (IV) besetzt. Sie agieren als neutrale Außenspieler und spielen immer auf das Team zurück, das sie angespielt hat. Team Blau spielt im 2-2-System. Es besteht aus IV und zentralen Mittelfeldspielern (ZM). Das rote Team spielt im 1-2-1-System und besteht aus offensiven Mittelfeldspielern (ZOM), Flügelstürmern (FST) und Stürmern (MS). Für beide Teams geht es darum, den Ball von einem Außenspieler zum anderen zu spielen, ohne dabei den Ball zu verlieren. 

 

Sonderregeln Team Blau: Das blaue Team spielt ohne Abseits. Es darf die Außen nur flach und direkt anspielen.

 

Sonderregeln Team Rot: Für das rote Team gilt die Abeitsregel bei jedem Pass in die andere Hälfte. Sie dürfen die Außen nur aus deren Hälfte anspielen. Ein langer Ball aus der entfernten Hälfte ist damit verboten.

 

Weitere positionsspezifische Trainingsformen und Coachingdetails, teilen wir in unserem Trainercoaching.

 

⌈ Mehr zum Trainercoaching ⌋ 

 

 

                          

Spielform auf Tore

                           

 

Im blauen Team spielen TW, IV und ZM. Im roten Team spielen ZM und MS. Beide Teams spielen in einem 2-2-System. Zudem hat das rote Team einen Anspieler zwischen den Minitoren. Vor den Minitoren befindet sich eine Sperrzone, die nicht betreten werden darf. Das Spiel wird immer per Abstoß vom blauen Torwart oder vom roten Anspieler fortgesetzt. Es gibt demnach keinen Eckball oder Einwurf.

 

Sonderregeln Team Blau: Das blaue Team spielt ohne Abseits auf die Minitore. Der Torhüter darf sich maximal bis zum Elfmeterpunkt bewegen.

 

Sonderregeln Team RotFür das rote Team gilt ab der Mittellinie die Abseitsregel.

 

Weitere methodische Ideen zum positionsspezifischen Training, andere Trainingsformen und systemorientierte Anpassungsmöglichkeiten demonstrieren wir auf unseren Fachabenden zum positionsspezifischen Training in kleinen Spielformen

 

⌈ Mehr zum Ball-Praxis Fachabend ⌋ 

 

 

(1) Titel und Autoren der Untersuchung

Physical Demands of Ball Possession Games in Relation to the Most Demanding Passages of a Competitive Match

J. Castellano, A.-M. Villanueva, A. Gomez-Diaz, F. Cos & D. Casamichana

Journal of Sports Science and Medicine (2020) 19, 1-9

 

(2) Titel und Autoren der Untersuchung

Evolution of match performance parameters for various playing positions in the English Premier League

M. Bush, C. Barnes, D.-T. Archer, B. Hogg & P.-S. Bradley

Human Movement Science (2015) Vol. 29, 1-11

 

(3) Titel und Autoren der Untersuchung

Practitioners' multi-disciplinary perspectives of soccer talent according to phase of development and playing position

C. Towlson, E. Cope, J.-L. Perry, D. Court & N. Levett

International Journal of Sports Science and Coaching (2019) Vol. 4

 

(4) Titel und Autoren der Untersuchung

Testing the functionality of peripheral vision in a mixed-methods football field study

C. Vater, S. Luginbühl & L. Magnaguagno

Journal of Sports Sciences (2019) Vol. 37, 2789-2797

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