Letzte Aktualisierung am 23.10.2020

 

Fußball ist ein Ergebnissport. Ja, tatsächlich. Im Nachwuchsbereich, insbesondere im Kinderfußball, muss diese Weisheit jedoch endlich eine eigene Interpretation erfahren. Hier existieren noch immer zwei konträre Herangehensweisen, die maßgeblich über die sportlichen Entwicklungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen bestimmen.

 

Im ergebnisorientierten Ansatz ist die Trainings- und Wettkampfgestaltung auf das kurzfristige mannschaftliche Spielergebnis ausgerichtet. Es geht also vor allem darum, das nächste Spiel zu gewinnen. Einen anderen Gedanken verfolgt der ausbildungsorientierte Ansatz. Er richtet den Fokus auf den systematischen Aufbau der individuellen Spielfähigkeit. Die Trainings- und Wettkampfgestaltung orientiert sich deshalb an der Verwirklichung individueller TrainingsergebnisseEin störender Nebeneffekt des ausbildungsorientierten Ansatzes sind stark schwankende Wettkampfergebnisse in den ersten Spieljahren. Doch woran liegt das und warum ist der ausbildungsorientierte Ansatz dennoch zu bevorzugen? Diesen Fragen wollen wir in einem zweiteiligen Beitrag nachgehen. 

 

Im ersten Teil haben wir den Aspekt der Trainingsgestaltung thematisiert. Im folgenden zweiten Teil wollen wir die Möglichkeiten der Wettkampfgestaltung betrachten. In diesem Kontext sprechen wir über den ergebnis- und den ausbildungsorientierten Matchplan.

 

Ergebnisorientierter Matchplan

 

Ein ergebnisorientierter Matchplan richtet System, Aufstellung und Spielweise auf das Erreichen eines optimalen Wettkampfergebnisses aus. Was im Erwachsenenfußball notwendig ist, wird im Kinderfußball zum Entwicklungsproblem:

 

(1)  Kinder spielen auf den Positionen, die ihren Stärken entsprechen

(2)  Kinder spielen auf den Positionen, die ihre Schwächen kaschieren

(3)  Kinder spielen frühzeitig ausschließlich auf derselben Position oder Seite

(4)  Leistungsstärkere Kinder spielen mehr als leistungsschwächere, trotz ähnlicher Trainingsteilnahme

(5)  Kinder werden aufgefordert "einfach" und "risikoarm" zu spielen

 

Obwohl sich so im Kinderfußball sehr gute Spielergebnisse erzielen lassen, sind die negativen Langzeiteffekte eines derartigen Vorgehens enorm. Denn wer immer dasselbe spielt und trainiert, dessen Entwicklung stagniert. Jede Stagnation hemmt zunächst den Entwicklungsverlauf betroffener Leistungsfaktoren. Fehlentwicklungen eines Leistungsfaktors können sich negativ auf die Entwicklung anderer Leistungsfaktoren auswirken. Im Resultat nimmt das langfristige "Leistungspotential" eines Kindes dadurch stetig ab. Allein aus diesem Grund ist im Kinderfußball von einer permanenten Anwendung ergebnisorientierter Matchpläne abzusehen. Da eine starke Ergebnisorientierung zudem dazu führt, dass viele Kinder aus Vereinen austreten, plant der DFB eine Wettkampfreform, an der sich alle Landesverbände beteiligen sollen. Hierzu schreibt der DFB in seinem Infoflyer "So spielen alle kleinen ganz groß auf":

 

 

"Statt des Ergebnisses stehen die Förderung und Entwicklung der Spieler*innen im Vordergrund."
"Keine Fixierung auf eine Position. Das bietet mehr Entwicklungsmöglichkeiten."

 

 

Ausbildungsorientierter Matchplan

 

Die Wettkampfreform soll den Krankheiten des aktuellen Wettkampfsystems den Nährboden entziehenIndirekt erhofft sich der DFB dadurch auch einen ausbildungsorientierten Einfluss auf die Trainingsgestaltung. Trainer_innen wird so der Weg zur ausbildungsorientierten Wettkampfgestaltung geebnet. Losgelöst von den Ansätzen des DFB, hilft hierbei ein Verständnis für den ausbildungsorientierten Matchplan. Er ist darauf ausgerichtet, dass Kinder ihre Spielfähigkeit umfassend entwickeln können. Der Matchplan kann sich an Trainingsschwerpunkten und individuellen Ausbildungsinhalten orientieren. Folgende Merkmale zeichnen die ausbildungsorientierte Wettkampfgestaltung aus:

 

(1)  Kinder spielen mal auf den Positionen, die ihren Stärken entsprechen

(2)  Kinder spielen auch mal auf den Positionen, die sie mit ihren Schwächen konfrontieren (Lerngelegenheiten)

(3)  Alle Kinder, die regelmäßig zum Training kommen, erhalten über den Saisonverlauf annähernd gleiche Spielzeiten

(4)  Trainingsinhalte werden im Wettkampf weiter thematisiert und unter Wettkampfbedingungen vertieft

(5)  Kinder (nicht immer und nicht unbedingt alle) erhalten individuelle ausbildungsorientierte Wettkampfaufgaben

 

Durch den ausbildungsorientierten Matchplan lässt sich eine perfekte Verbindung zwischen der Trainings- und Wettkampfgestaltung herstellen, die sich positiv auf langfristige Trainingsergebnisse auswirkt.

 

Ganz konkrete Beispiele zur ausbildungsorientierten Gestaltung eines Matchplans besprechen wir gern im Rahmen eines Fachabends oder Trainercoachings mit Euch. Dort thematisieren wir auch gern die Notwendigkeit zur systematischen Entwicklung der Spielfähigkeit und zeigen Euch konkrete Ansätze zur praktischen Umsetzung. Für Fragen oder Anfragen schreibt uns gern an info@ball-praxis.de.

 

 

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