Letzte Aktualisierung am 29.09.2020

 

Fußball ist ein Ergebnissport. Ja, tatsächlich. Im Nachwuchsbereich, insbesondere im Kinderfußball, muss diese Weisheit jedoch endlich eine eigene Interpretation erfahren. Hier existieren noch immer zwei konträre Herangehensweisen, die maßgeblich über die sportlichen Entwicklungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen bestimmen.

 

Im ergebnisorientierten Ansatz ist die Trainings- und Wettkampfgestaltung auf das kurzfristige mannschaftliche Spielergebnis ausgerichtet. Es geht also vor allem darum, das nächste Spiel zu gewinnen. Einen anderen Gedanken verfolgt der ausbildungsorientierte Ansatz. Er richtet den Fokus auf den systematischen Aufbau der individuellen Spielfähigkeit. Die Trainings- und Wettkampfgestaltung orientiert sich deshalb an der Verwirklichung individueller Trainingsergebnisse.

 

Ein störender Nebeneffekt des ausbildungsorientierten Ansatzes sind stark schwankende Wettkampfergebnisse in den ersten Spieljahren. Doch woran liegt das und warum ist der ausbildungsorientierte Ansatz dennoch zu bevorzugen? Diesen Fragen wollen wir in einem zweiteiligen Beitrag nachgehen. Im folgenden Teil thematisieren wir zunächst den Aspekt der Trainingsgestaltung.

 

Ergebnisorientiertes Training


Wer ein optimales Wettkampfergebnis erzielen möchte, richtet das Training auf den nächsten Wettkampf aus. Das bedeutet für die Trainingsgestaltung, dass:

 

(1)  häufig dieselben Inhalte trainiert werden,

(2)  feste gruppen- bis mannschaftstaktische Abläufe trainiert werden,

(3)  Standardsituationen eingeübt werden,

(4)  Handlungsvorgaben und Verbote erteilt werden

 

und infolgedessen

 

(5)  zentrale Faktoren der Spielfähigkeit wenig bis gar nicht trainiert werden.

 

So lassen sich auch im Kinderbereich sehr gute Spielergebnisse erzielen. Allerdings erfahren die Kinder eine unsystematische und unvollständige Förderung, die sich negativ auf ihre langfristigen Trainingsergebnisse auswirkt. Das Problem ist, dass gute Spielergebnisse diesen Effekt lange Zeit kaschieren. Da Kindern so jedoch schlichtweg die Möglichkeit genommen wird, alle Faktoren der Spielfähigkeit umfassend auszubilden, sinkt das erreichbare Niveau in vielen Teilbereichen der Spielfähigkeit deutlich ab. Auf lange Sicht werden darunter auch die Wettkampfergebnisse leiden.

 

Ausbildungsorientiertes Training

 

Damit keine Missverständnisse aufkommen: auch wer im ausbildungsorientierten Ansatz Fußball spielen lernt, soll jedes Spiel gewinnen wollen. Das ausbildungsorientierte Training ist jedoch nicht darauf ausgerichtet, den nächsten Wettkampf zu gewinnen. Das oberste Ziel ist die altersspezifische Entwicklung aller Faktoren der Spielfähigkeit. Hierzu werden ständig wechselnde Trainingsinhalte periodisiert, also über mehrere Trainingseinheiten hinweg vertieft. So lassen sich nachhaltige Lerneffekte erzielen und stabilisieren. Das Spiel am Wochenende ist im Kinderfußball als Trainingseinheit unter Wettkampfbedingungen zu betrachten. Kinder sollen Gelerntes anwenden und in ihr Spiel integrieren. Dieser fortlaufende Lernprozess führt insbesondere in den ersten Jahren zu einer hohen Fehlerquote. Derselbe Lernprozess führt allerdings auch dazu, dass die Fehlerquote stetig abnimmt, wodurch sich Wettkampfergebnisse zunehmend stabilisieren. Derartig geförderte Kinder erhalten die Möglichkeit, alle Faktoren der Spielfähigkeit in vollem Umfang zu entwickeln. Dadurch "überholen" sie mit der Zeit ähnlich veranlagte Kinder, die in einem ergebnisorientierten Training groß geworden sind. Der Weg dorthin verlangt Geduld, doch er lohnt sich, vor allem für die Kinder.

 

Gern sprechen wir in Eurem Verein oder mit Euch ausführlicher über dieses Thema. Zudem zeigen wir Euch, wie die systematische altersspezifische Entwicklung der Spielfähigkeit konkret aussehen kann. Für Fragen oder Anfragen schreibt uns gern an info@ball-praxis.de.

 

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