Das Auflösen des Deckungsschattens!

Dribbeln, um spielen zu können!

Der Deckungsschatten wird generell eher im Zusammenhang mit dem Spiel ohne Ball thematisiert. Das betrifft vor allem das Abwehrverhalten, wie wir es bereits in der Individualtaktik des Pressings beschrieben haben und gleichermaßen das individualtaktische Freilaufverhalten, bei dem das Lösen aus dem Deckungsschatten einen zentralen Schwerpunkt bildet. Nochmal kurz zur Erinnerung:

 

Mit dem Deckungsschatten wird die situative Verteidigungsfläche eines Spielers in Abhängigkeit zur aktuellen Ballposition beschrieben. Ähnlich wie die wandernde Sonne den Schattenwurf einer Ampel verändert, führt auch die Bewegung des Balls zu einer Veränderung des Deckungsschattens.

 

Verteidiger versuchen generell ihren Deckungsschatten auf die gedachte Verbindungslinie zwischen Ball und gegnerischem Zielspieler zu richten, um dadurch einfache Zuspiele zu unterbinden. Im Ballbesitzspiel wird deshalb überwiegend dem Spieler ohne Ball die Verantwortung zugeteilt, sich permanent aus dem Deckungsschatten zu lösen. Da der Deckungsschatten jedoch von der Ballposition abhängig ist, besitzt der ballführende Spieler die Möglichkeit einen gegnerischen Deckungsschatten aufzulösen. Zum Auflösen des Deckungsschattens kann ein ballführender Spieler auf zwei Möglichkeiten zurückgreifen.

Das Auflösen des Deckungsschattens per gegnerüberwindendem Dribbling

Am Beispiel von Andrés Iniesta gegen Arsenal London

 

Iniesta führt den Ball und Londons defensiver Mittelfeldspieler legt seinen Deckungsschatten auf den Passweg in die Spitze ... 

... Iniesta möchte das Anspiel in die Spitze und geht deshalb in das gegnerüberwindende Dribbling ...

 

... so löst er den eben noch vorhandenen Deckungsschatten auf und kann den Ball auf seinen zentralen Angreifer spielen.

Am Beispiel Antonio Rüdiger gegen England (Videofotos vom ZDF)

Das Auflösen des Deckungsschattens per gegnerbindendem Andribbeln

Am Beispiel von Antonio Rüdiger gegen England (Videofotos vom ZDF)

 

Jamie Vardy richtet seinen Deckungsschatten auf die zentralen Mittelfeldspieler des DFB-Teams aus ...

 

... Antonio Rüdiger entschließt sich zum Dribbling und zieht damit Jamie Vardy auf sich ...

 

... mit dem Dribbling bindet Antonio Rüdiger den englischen Angreifer und zieht dessen Deckungsschatten mit ... 

 

... dadurch hat Vardy's Deckungsschatten die Verbindungslinie zwischen Rüdiger und Kroos verlassen, obwohl keine klare Freilaufbewegung von Kroos erfolgt ist.

Am Beispiel Antonio Rüdiger gegen England (Videofotos vom ZDF)

Intensivtraining zum Auflösen des Deckungsschattens

- 4 vs. 3 + 1 Felderwechselspiel mit Zwischenraum -

4 vs. 3 + 1 Felderwechselspiel 

Da es sich beim Auflösen des Deckungsschattens um die Handlung eines Einzelnen handelt, sollte die Anwendung zunächst auch in kleinen wiederholungsintensiven Trainingsformen geübt werden. Wichtig ist hierbei, dass Ihr immer wieder den funktionellen Nutzen des Dribblings betont. Das Dribbling dient dem Auflösen des Deckungsschattens und damit der Vorbereitung des Tiefenspiels.

 

Organisation: Für das Felderwechselspiel steckt Ihr zwei gleichgroße Felder ab, zwischen denen sich ein Zwischenraum befindet. Es spielen zwei 4er-Teams gegeneinander, wobei immer in Unterzahl verteidigt wird. Am Rand des Feldes steht Ihr mit ausreichend Ersatzbällen bereit. 

 

Ablauf: Eine Mannschaft startet in ihrem Feld das Ballbesitzspiel gegen drei Gegenspieler. Der vierte Gegenspieler steht an der Grundlinie des gegnerischen Feldes. Er ist gleichzeitig der Zielspieler für das Ballbesitzteam und Konterzielspieler für seine Mitspieler. Der Feldzwischenraum darf per Dribbling betreten werden, wohingegen Anspiele in den Zwischenraum verboten sind. Ausgenommen vom direkten Defensivzweikampf, darf ein Verteidiger den Zwischenraum nicht länger als 3 Sekunden betreten. Im Felderwechselspiel existieren drei Möglichkeiten zur Punkterzielung:

  • Direktspiel auf den Zielspieler im gegnerischen Feld,
  • tiefer Pass aus dem Zwischenraum ins gegnerische Feld, nachdem ein Dribbling in den Zwischenraum gelungen ist,
  • Balleroberung im gegnerischen Feld mit anschließendem Abspiel zum verbliebenen Mitspieler im eigenen Feld.

Jetzt werden einige sagen, dass sich ein gegnerischer Spieler schlecht als Zielspieler eignet, da er sich nicht so aktiv freilaufen wird, wie es ein Mitspieler täte. Genau aus diesem Grund haben wir uns für diese Variante entschieden. Das Auflösen des Deckungsschattens ist nämlich immer dann notwendig, wenn sich Mitspieler nicht optimal bewegen oder sie optimal zugestellt werden. 

 

Ein Felderwechsel erfolgt nach jedem Ausball und jedem Zuspiel zum Zielspieler. So läuft der Felderwechsel ab:

  • Ein Spieler des vorherigen Ballbesitzteams verbleibt im eigenen Feld,
  • seine Mitspieler wechseln sofort als Verteidiger in das gegnerische Feld,
  • die vorherigen Verteidiger wechseln als Ballbesitzspieler in das eigene Feld.

Geht ein Ball ins Aus, spielt Ihr einen Ball in das freie Feld, wo das Spiel fließend fortgesetzt wird.

 

Korrekturpunkte:

  • Ball mit dem gegnerfernen Fuß führen,
  • ruhig aber temporeich agieren,
  • gezielter Einsatz des Dribblings, um Lösungen vorzubereiten
  • ohne Ball bereits auf frei werdende Verbindungslinien zum Zielspieler ausrichten.

 

Viel Spaß beim Training,

 

Eure Ballpraktiker!

Druckversion Druckversion | Sitemap
© www.Ball-Praxis.de I Impressum: www.ball-praxis.de/impressum/